Lustlos investieren

14.07.2017

Ich weiss nicht, seit Monaten habe ich nicht recht Lust, in Aktien zu investieren. Gewiss, ich kaufe für unser privates Depot diese und jene Aktie, vergrössere einige Positionen, vor allem mit Geld, welches von Dividenden herrührt. Neues Kapital kann ich zurzeit nur wiederwillig investieren.

Auch deshalb bin ich zwischendurch mit dem Nachführen der Musterdepots arg im Verzug. Und dann haben mich andere Projekte in den letzten sechs Monaten derart in Beschlag genommen, so dass mir kaum Zeit blieb, mir gross Gedanken zu Neuinvestitionen zu machen.

Immerhin habe ich im Real-Depot noch 9 Aktien von Geberit gekauft – aber dass mir beim Kauf ein grober Fehler unterlaufen ist, zeigt deutlich, dass ich nicht ganz bei der Sache bin. Da habe ich doch tatsächlich zuerst den falschen Valor gekauft: Das ist mir glaub ich in bald 20 Jahren Online-Banking noch nie passiert… Der Fehler hat mich etwa 100 Franken gekostet – ich habe den ungewollten Titel gleich wieder verkauft (2 mal 40 Franken für die Katz). Bis das gutgeschriebene Geld wieder verfügbar war, stieg der Kurs des Geberit-Aktie, so dass ich statt der ursprünglich beabsichtigten zehn Stück nur noch neun kaufen konnte. Ziemlich «bireweich». 

So, meinen Fehler habe ich nun gebeichtet, mag jedeR denken, was erSie will. Aber der Fehler ist nicht der Grund weshalb ich zurzeit lustlos investiere. Es ist vielmehr Ergebnis dieser Lustlosigkeit. Die Gründe der Unlust liegen woanders. 

In der Politik. Genauer, in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, und dem katastrophalen Ergebnis der Wahlen. Der neue Präsident steht in meinen Augen für alles, was ich in meinem Leben gering schätze. Der Mann ist oberflächlich, ungebildet, vulgär, verlogen, rassistisch, eine Windfahne, unfähig, ein brauchbarer Präsident zu sein. So viel Macht konzentriert in den Händen eines solchen Menschen, das ist brandgefährlich. Und wie reagieren die Aktienmärkte? Neue Höchststände. Na bitte! 

Höchststände an den Märkten sind schön für Leute, welche Aktien verkaufen wollen. Tatsächlich habe ich etwa zehn Prozent aller unserer Aktien verkauft, um das Geld in ein neues Projekt völlig ausserhalb der Finanzmärkte zu stecken. Höchststände bei den Aktienkursen sind aber ein Problem für alle, welche ihr sauer verdientes Geld sinnvoll investieren wollen oder müssen. 

Natürlich sind auch in einem hoch bewerteten oder gar überbewerteten Aktienmarkt immer günstig bewertete Aktien zu finden. Wer auf Kurs-Gewinn-Verhältnis, Wachstumsaussichten und Dividendenrendite schaut, findet auch jetzt Aktien im In- und Ausland, welche einen Kauf wert sind. Das heisst aber nicht, dass diese Aktien nicht auch noch viel billiger werden könnten, wenn der Aktienmarkt einmal zu korrigieren beginnt. Und daher rührt meine Unlust: Weshalb soll ich heute eine Aktie kaufen, wenn ich erwarte, dass ich in naher Zukunft dieselbe Aktie weit günstiger erstehen kann? 

Ich weiss, diese Frage darf ich mir im Grunde genommen nicht stellen. Wenn ich derart denke, kann ich nicht mehr investieren. Wenn ich eine gute Gelegenheit sehe, muss ich doch investieren. Geld liegenzulassen bedeutet doch auch, dass ich verliere, weil das Geld nicht so arbeiten kann, wie es eben arbeiten müsste. Und trotzdem bleibt die Unlust…

Und worauf hatte ich mich denn konzentriert in den letzten Monaten? Nur so viel sei einmal verraten: www.odyssia15.gr/olivenöl  

Wenn man denn schon in Banken investieren will...

19.09.2016

Vermutlich bin ich völlig naiv. Ich denke, die Leute, die in Banken arbeiten, müssen wissen, wie man mit Geld umgeht. Schliesslich ist der Umgang mit Geld das Kerngeschäft einer Bank, und Bankangestellte haben den lieben langen Arbeitsalltag nichts anders zu tun, als sich mit Geld abzugeben. Mit dem Geld anderer, dann noch.

Wenn man seinen Beruf als Bankier ja richtig ausführt, lernt man doch, wie man selbst reich wird, und wie man eine Firma finanziell erfolgreich führen kann. Da stelle ich mir naiverweise vor, dass eine Bank doch eine gewinnbringende Angelegenheit sein sollte – aus was für einem Grund sollte man denn sonst eine Bank betreiben? Eine Bank ist ja keine Non-Profit-Organisation, sondern knallhartes Business. Und da viele Banken Aktiengesellschaften sind, müsste ich mich als Aktionär doch an diesen lukrativen Firmen beteiligen können, damit ich via Dividenden und Kursgewinnen an den Gewinnen dieser Banken beteiligt bin.

Wenn ich mir die Geschäftszahlen der Schweizer Grossbanken und ihre Aktienkurse anschaue, dann sehe ich zwar, dass die Banken gelegentlich schöne Gewinne einfahren, aber gelegentlich ebenso gewaltige Verluste verzeichnen. Kein ausgewogenes Bild beim Betriebsergebnis, und damit keine erfreuliche Entwicklung bei den Aktienkursen. Von den Dividenden(renditen) ganz zu schweigen. Irgendetwas stimmt da nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, dies im Detail aufzuzählen, doch in den letzten zehn Jahren ist wohl dem hintersten Hinterbänkler klar geworden, gegen wie viele Probleme «unsere» Schweizer Banken zu kämpfen haben. Da reicht es, wenn ich mir die Aktienkurse der letzten Jahre anschaue, um zu wissen, dass ich da auf keinen Fall mit involviert sein will.

 

In einem Zeitraum von 26 Jahren (!) haben sich die Kurse aller drei Schweizer Grossbanken derart schlecht entwickelt, dass die aktuellen Kurse immer noch unter den Kursen von damals liegen. Bei zwei von drei Banken 50% darunter! Solche Verluste können in keinem Portfolio wieder gutgemacht werden. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum hat der SMI, in dem alle diese drei Katastrophenfirmen mit vertreten sind, um über 350% zugelegt. Da ist ganz grundsätzlich etwas schiefgelaufen. Natürlich haben wir alle die eine oder andere einleuchtende Erklärung, aber Schweizer Bankaktien waren im letzten Vierteljahrhundert gewiss keine gute Investition. Und leider wüsste ich zurzeit beim besten Willen nicht, weshalb sich das bald ändern sollte.

Es geht abwärts - was tun?

06.02.2016

Das Jahr hat für alle, die mit Aktien zu tun haben, miserabel angefangen. Alle Indizes liegen im Minus, der SMI hat allein seit Jahresanfang 10 Prozent verloren, und er liegt bereits mehr als 15 Prozent unter dem Höchststand des letzten Jahres. Damit steht der Index fast genau wieder dort, wo er vor zehn Jahren, 2006, gestanden hat. Mist!

 

Und die nähere Zukunft schaut alles andere als toll aus: China sorgt für genug Aufregung an den Märkten, wir haben einen Ölpreis, der fast täglich munter weiter kollabiert und für Ratlosigkeit sorgt, die Lage im Mittleren Osten ist instabil wie schon Jahre nicht mehr, und den grossen Firmen scheint es kaum mehr zu gelingen, ihre Gewinn zu steigern. Und nach wie vor tricksen die Notenbanken von immer mehr Ländern in immer grösserem Stil mit ihrer Währungen, manipulieren die Geldmenge, die Zinsen, die Kurse. Wie soll es da an den Aktienmärkten aufwärts gehen?

Ich habe keine Ahnung, ebenso wenig wie alle anderen Marktbeobachter und -Teilnehmer. Es ist gut möglich, dass die Märkte noch weiter fallen – viele erwarten es geradezu. Andere sprechen von einer vorübergehenden Korrektur und erwarten für dieses Jahr keine besonders schlimmen Abstürze. Wer hat Recht? In einem Jahr wissen wir es.

Was tun? 

  • Einen kühlen Kopf bewahren. 
  • Wer einen Plan dafür hat, wie er Geld in Aktien investieren will, muss strikt bei seinem Plan bleiben. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien gekauft werden, so sollten jetzt gemäss den vorher definierten Kriterien Aktien gekauft werden. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien verkauft werden, dann, hmm, ist das vielleicht ein schlechter Plan, aber es ist besser, dem Plan zu folgen und die Aktien zu verkaufen, notfalls mit Verlust. 
  • Wer keinen Plan dafür hat, wie er sein Geld in Aktien investiert, befindet sich nun in einer üblen Lage. Da er sich nie mit kühlem Kopf überlegt hat, was er in einer Situation, wie wir sie jetzt haben, tun soll, ist guter Rat teuer. Vielleicht wäre es an der Zeit, abzuspringen, das heisst, alles zu verkaufen und später wieder einzusteigen. Aber zuerst sollte sich so ein Investor, oder besser, so ein Spekulant, sich erst mal einen Plan zurecht zu legen, der nicht nur schönwettertauglich ist, bevor er wieder einzusteigt.

Planen für die nächsten Monate. 

Als dividendenorientierter Investor bin ich an den Kursen „meiner“ Aktien zwar interessiert, aber mehr noch an den Dividenden, welche ich erhalte. 

In den letzten Wochen haben bereits mehrere Firmen aus meinem Portfolio die Dividende erhöht. Dies ist das Signal, welches mir wichtig ist. Der Kurs der Aktien mag fallen, aber mein Einkommensstrom ist am Wachsen. 

Wenn ich diese Dividenden reinvestiere, ist es für mich sogar von grossem Vorteil, wenn die Kurse nicht steigen, sondern gar fallen. Für das gleiche Geld kann ich mir mehr Aktien kaufen. Nehmen wir Omega Healthcare Investors (OHI) als Beispiel.

Ich besitze 2000 Aktien von OHI. Das gibt bei einer Dividende von 56 Cents (pro Quartal) eine Dividende von 1120 USD. Nun wurde die Dividende um einen Cent auf 57 Cents erhöht, sodass ich nun 1140 USD erhalten werde. 

Bei einem Kurs von  (heute) USD 31.65 kann ich mir nun 36 Aktien kaufen. Fällt der Kurs auf 30, sind es 38 neue Aktien, steigt der Kurs auf 33.00, so sind es nur noch 34 neue Aktien, die ich mir aus den Dividenden kaufen kann. Ich bin also nicht wirklich daran interessiert, dass der Kurs steigt. Denn mit den Jahren kann es für mein Einkommen aus Dividenden ganz interessant werden, wenn der Kurs einer Aktie NICHT steigt, sondern fällt. 

Das ist völlig gegen jede Intuition – aber man kann es leicht nachrechnen. Schauen wir uns das Beispiel mit OHI über fünf Jahre an. 

Erste Annahme: Der Kurs bleibt über die ganzen fünf Jahre gleich, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht. (Das ist weniger als der tatsächliche Wert der Erhöhungen der letzten Jahre.)

Im fünften Jahr erhalte ich eine Dividendenzahlung, welche um 75% grösser ist als anfänglich. Und das nur, weil ich alle erhaltenen Dividenden wieder investiert habe. Aus meinen 2000 Aktien sind 2720 Aktien geworden. Nicht schlecht.

Zweite Annahme: Der Kurs fällt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

 

Mein Einkommen aus Dividenden beträgt nach fünf Jahren mehr als bei der ersten Annahme, weil ich wegen des tieferen Aktienkurses mehr Aktien kaufen konnte. Tatsächlich ist aber auch der Wert meiner Anlage gestiegen, indem ich die Dividenden reinvestiert habe. Ich habe nun 2837 Aktien, welche knapp 78‘000 USD wert sind, gegenüber den anfangs 2000 Aktien im Wert von 63‘300 USD. Und das trotz fallender Kurse während der ganzen Zeit.

Dritte Annahme: Der Kurs steigt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

Leider vermindern die steigenden Kurse mein Einkommen aus den Dividenden. Ich habe zwar bei der optimistischen Variante ein viel höheres Vermögen, aber das Einkommen ist deutlich tiefer als mit den beiden anderen, pessimistischeren Annahmen. 

Spätestens jetzt ist klar, dass es nicht zu meinem Plan gehören kann, dass die Aktienkurse möglichst stark steigen. Mittelfristig werde ich besser fahren, wenn die Kurse nicht nur steigen, sondern zwischendurch auch mal kräftig fallen. 

Gerade im Hinblick auf die laufende Jahresberichterstattung und die Dividendenzahlungen im Frühjahr kann ich als dividendenorientierter Anleger davon profitieren, wenn die Kurse an den Börsen noch weiter nachgeben. 

Damit dies funktioniert, bin ich natürlich darauf angewiesen, dass die Firmen auch in schwierigeren Zeiten ihre Dividenden weiter verlässlich bezahlen. Während es dafür natürlich keine Garantie gibt, sind die Dividenden grosser Firmen nicht so krassen Bewegungen unterworfen wie die Aktienkurse. Hat eine Firma einmal damit begonnen, eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik zu betreiben, wird sie sich davor hüten, ohne Zwang von dieser Politik wieder abzurücken – sie würde blitzartig vom Markt abgestraft. Es gibt also so etwas wie ein Gewohnheitsrecht: Als Aktionär kann ich erwarten, dass die Dividenden in schlechten Jahren konstant bleiben und in guten Jahren erhöht werden. 

Da ich vor allem an einem wachsenden Einkommen aus Dividenden interessiert bin, kann ich mit der laufenden Korrektur ganz gut leben. Die Dividenden werden mit dem erwirtschafteten Gewinn bezahlt, und der ist in den wenigsten Fällen abhängig vom Aktienkurs. Der Gewinn wurde im letzten Jahr erwirtschaftet und wird nicht kleiner, wenn der Aktienkurs in diesem Jahr fällt. Die Höhe der gesprochenen Dividende wird auch vom Ausblick der Firmenverantwortlichen auf die Zukunft beeinflusst, und da werden wir wohl Dividendenerhöhungen am untersten Ende der Skala zu erwarten haben. So geschehen zum Beispiel bei Roche: von 8 Franken auf 8.10 ist nicht berauschend. 

Auch wenn es für dieses Jahr bei den bereits angekündigten Dividendenerhöhungen bleiben sollte, unterbricht dies die Zunahme des Einkommens aus Dividenden nicht: Mit den erhaltenen Dividenden werden, unabhängig vom aktuellen Aktienkurs, weitere Aktien gekauft, und spätestens in einem Jahr werfen diese neuen Aktien ihrerseits wieder Dividenden ab. Und diese werden wieder investiert, und so steigt das Einkommen Jahr für Jahr. 

Als weitere Massnahme habe ich in den vergangenen Wochen einige wenige Short-Mini-Futures auf den SMI und auf den S&P500-Index gekauft. Ich habe vor, da noch etwas aufzustocken, um meinen Barbestand zu erhöhen, falls die Kurse noch weiter sinken. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz meiner Strategie.

Und irgendwann geht diese Korrektur vorbei, und die nächste Börsenparty beginnt und die Kurse steigen wieder. Aber wann das ist, weiss ich nicht. Es kann in diesem Jahr sein, oder im nächsten, oder erst in einigen Jahren. Aber Dividenden werden weiter bezahlt werden, solange Firmen Gewinne schreiben. 

Warum es in diesem Blog plötzlich so ruhig ist

27.11.2015

Das ist schnell erklärt: Seit Monaten bin ich zusammen mit meiner Frau in Griechenland. (Mehr dazu auf www.odyssia15.gr) Sozusagen aus der Ferne bekomme ich zwar mit, was an den Aktienmärkten los ist, worüber „man“ sich an der Börse Sorgen macht (Alle Themen wie China, Griechenland, Terrorismus, Ölpreis, starker Franken oder starker Dollar, je nach Standort des Autors, schwindende Unternehmensgewinne, VW- und FIFA-Skandale, alles ist vertreten). Aber oft erfahre ich erst nach einer schönen Wanderung von den neuesten Problemen, oder verpasste einen miesen Börsentag mit Sünnele am Strand und Schwimmen im klaren Wasser… Kein wirkliches Problem, finde ich. Ich beobachte oft, wie es um die Dividenden „meiner“ Firmen steht. Da heisst es nichts als: smooth sailing. Gerade jetzt, wo wir kein Einkommen aus aktiver Arbeit, wegen der Reise aber erhöhte Ausgaben haben, soll da nichts aus dem Ruder laufen.

Wer dividendenorientiert investiert, braucht sich wegen des Auf und Ab an den Märkten keine grauen Haare wachsen lassen. Fallen die Aktienkurse, können dividendenstarke Aktien zu einem günstigeren Preis gekauft werden. Ich habe in den letzten Monaten bei vier bestehenden Positionen unseres eigenen Depots weiter zugekauft (Zurich Insurance Group, Swisscom, BB Biotech, Omega Healthcare Investors), habe eine kleine Anzahl Aktien der Firma Textainer Group Holding gekauft, als die Dividendenrendite bei über 10% lag, (Das war, bevor die Firma ankündigte, die Dividende zu halbieren - auch das kommt vor!) Vor allem aber freute ich mich über diverse Dividendenerhöhungen, welche von amerikanischen Firmen in unserem Depot angekündigt wurden. Dies ist quasi geschenktes Geld, da damit das Bächlein der ständig hereinfliessenden Dividenden an Stärke zunimmt – ohne dass ich mir viel Gedanken darüber machen muss.

Dank solcher Zukäufe und den angekündigten Dividendenerhöhungen hat sich der voraussichtliche Betrag, den wir an Dividenden in Zukunft erwarten können, in der ersten zehn Monaten dieses Jahres um sieben Prozent erhöht. Das ist beachtlich! Trotz aller Stürme an den Märkten und aller schlechter Nachrichten nehmen die Dividenden zu.

Aus diesem Grund ist es hier so ruhig. Weil ich eine andere Investitions-Strategie verfolge als kurzfristig orientierte Trader. Das Muster-Portfolio 1 zeigt, dass man mit einem Aktiendepot, welches auf stabile Dividenden hin angelegt wird, auch in stürmischen Zeiten gut fährt. 

Zinseszins: Der Freund des Langzeit-Investors

12.04.2015

Wie schon andernorts auf dieser Website beschrieben, ist der Effekt des Zinseszinses gewaltig. Wie gewaltig, das kann man sich schlecht vorstellen, aber ganz gut anhand von Beispielen sich vor Augen führen.

Die meisten Investoren, die an der Börse aktiv sind, versuchen mit geschickten Trades ihr Kapital möglichst schnell zu vermehren. Dieser Ansatz ist risikoreich, ungewiss und in der Regel nur mässig erfolgreich. Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten Investoren (dieser Autor inbegriffen) viele weniger Rendite erwirtschaften als möglich wäre – und das erst noch mit weniger Nervenkrieg. Das ganze Geheimnis beim Investieren besteht darin, die Zeit für sich arbeiten zu lassen.

Anhand einer Excel-Tabelle habe ich die Performance der Nestle-Aktie und der Dividenden seit 1959 untersucht und berechnet, wie sich eine Anlage in Nestle seit 1960 bis heute, also über 55 Jahre,  entwickelt hat. Das Ergebnis ist ziemlich berauschend.

Datum  Kurs  Dividende 
31.12.1959    1.36  0.023
31.12.2014  72.95 2.20 
Ø Wachstum pro Jahr   7.51% 8.65% 

 

Von Anfang 1960 ist der Kurs der Nestle-Aktie von 1.36 bis Ende 2014 auf 72.95 gestiegen, was einer Verzinsung von 7.51% entspricht. Ähnlich die Dividenden: von 2.3 Rappen auf 2.2 Franken, bei einer Verzinsung von 8.65%. Hätten Sie Anfangs 1960 1000 Franken in Nestle-Aktien investiert, sähe damit Ende 2014 das Ergebnis so aus:

735 Aktien zu 72.95 im Gesamtwert von    53'618.25
Total Dividenden in 55 Jahren:   18'370.59
Aktuelle Dividendenrendite    161.7%
 

Das heisst also, Sie erhalten jetzt jährlich viel mehr Geld als Dividende ausbezahlt, als Sie 1960 einmalig investiert haben. Das seit dem 49. Jahr der Anlage übrigens, also seit 2008. Und voraussichtlich bis zu Ihrem Tod werden Sie jedes Jahr eine Dividende erhalten, die 8.65% höher ist als die vorangegangene. Und wenn Ihre Erben verstehen, welchen Schatz sie mit diesen Aktien geerbt haben und diese nicht gleich verkaufen, werden diese weiterhin jedes Jahr höhere Dividenden erhalten.

Diese Rechnung zeigt aber nicht einmal die halbe Geschichte. Es kommt noch VIEL besser. Etwa vier mal besser, genaugenommen.

Im Beispiel oben sind wir davon ausgegangen, dass die Dividenden einfach in Empfang genommen und nicht weiter berücksichtig werden. Was passiert aber, wenn wir mit den Dividenden wieder Aktien kaufen? Das Ergebnis ist unglaublich:

3020 Aktien zu 72.95 im Gesamtwert von        220'309.00
Total Dividenden in 55 Jahren:      59'851.75
Letzte Dividendenzahlung 6'644.00
Aktuelle Dividendenrendite     664.4%
 

Vermutlich geht es Ihnen ähnlich wie mir: Sie oder Ihre Eltern haben 1960 nicht in Nestle-Aktien investiert, und Sie haben nichts vom ganz ganzen Segen. Und vermutlich bleiben Ihnen auch nicht mehr 55 Jahre, um ein Vermögen aufzubauen. Also müssen wir schauen, wie die Rechnung mit kürzeren Zeiträumen ausschaut. Und vor allem, wie das in Zukunft ausschauen kann. Dabei ist es wichtig, daran zu erinnern, dass frühere Performance keine Garantie für die zukünftige Entwicklung ist. 

Dividendenwachstum als Anlagestrategie

16.02.2015

Die meisten Anleger bringen Geld an die Börse, weil sie sich Kursgewinne von ihren Aktien erhoffen, dank denen sich das Geld vermehren soll. Eine kleinere Gruppe von Investoren setzt auf stetes, solides Dividendenwachstum und erhofft sich, dass auf diese Art das investierte Geld wächst.

Die beiden Strategien unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung völlig, trotzdem können Anleger mit beiden Strategien erfolgreich sein. Wer in Aktien investiert, sollte klar verstehen, was die Vor- und Nachteile beider Strategien sind. Und vermutlich entscheidet er/sie sich für die eine oder andere Strategie, indem Geld mehrheitlich (darauf komme ich noch zurück) gemäss dieser Strategie investiert wird.

Wenn ich auf Websites für Anleger unterwegs bin, habe ich oft das Gefühl, dass weder Autoren noch Leser (die ja immer wieder auch Kommentare schreiben) wirklich verstehen, wie eine Strategie funktioniert, welche sich am Dividendenwachstum orientiert. Zu unklar bleiben die Bedeutung der Dividendenrendite, des Anlagehorizonts, des Dividendenwachstums und des Einkaufspreises bei dieser Strategie. In diesem Beitrag will ich deshalb auf diese wichtigen Punkte näher eingehen.

Das primäre Ziel des dividendenorientierten Anlegers

Anleger, die auf Dividendenwachstum setzen, verfolgen das Ziel, ein stetig zunehmendes Einkommen aus Dividenden zu erzielen.

Das tönt trivial, in der Praxis aber ist das alles andere als trivial. Ein stetig zunehmendes Einkommen kann nur mit Dividenden von Firmen mit soliden, über einen längeren  Zeitraum steigenden Gewinnen erwirtschaftet werden.  Solche Firmen gibt es, aber ihre Anzahl ist beschränkt. Man findet diese Firmen in der Regel als Bestandteil der grossen Indizes wie SMI, DAX, Dow oder S&P500. Es leuchtet ein, dass nur jene Firmen über Jahre solide, steigende Dividenden bezahlen können, welche auch über Jahre hinaus ihre Gewinne steigern können. Da es für einen Investor, der diese Strategie verfolgt, nichts Unwillkommeneres geben kann als eine gekürzte oder gestrichene Dividende, müssen die für eine Investition in Frage kommenden Firmen sorgfältig gewählt werden.

Für die Schweiz und Europa ist mir keine öffentliche Datensammlung bekannt, welche die Firmen dahingehend  untersucht, wie stetig sich die Gewinne und Dividenden über zehn oder zwanzig Jahre entwickelt haben. Das heisst, Investoren dieser Art müssen sich diese Daten selbst zusammensuchen. Der Stock Screener auf Google Finance kann für den Anfang dabei sehr nützlich sein. (http://www.google.com/finance#stockscreener)

Wer gerne in US-Aktien investiert, hat es leicht: Er lädt sich David Fish’s Liste der Dividenden-Champions herunter, und los geht’s. Da findet jedeR etwas für den eigenen Geschmack.

Drei Arten des Dividendenwachstums

Es gibt drei Möglichkeiten, wie das Einkommen aus Dividenden wachsen kann: