Jetzt mit echtem Geld unterwegs

Schon einige Zeit lang hatte ich geplant, nicht nur Modell-Portfolios vorzustellen, sondern mindestens ein „richtiges Depot“ mit echten Transaktionen öffentlich zu führen. Seit Anfang September ist es soweit. Das neue Depot folgt der Idee des ersten Modell-Portfolios: Grosse Firmen mit internationaler Ausrichtung, welche langfristig Wachstum aufweisen und wachsende Dividenden auszahlen.

Am 1. September habe ich 10‘000 Franken auf ein Konto bei der Raiffeisenbank einbezahlt und dann gleich je etwa ein Drittel in Aktien von Nestlé, Roche und Swiss Re investiert. Aufgrund der Dividendenpolitik der vergangenen Jahre kann ich mit einer Dividendenrendite von etwa 3.8% rechnen.

Und der Depotauszug dazu:

 

Ziele für dieses Depot

  • Im Lauf der nächsten etwa 15 bis 20 Jahre soll durch regelmässiges Investieren in dividendenstarke, international aufgestellte Firmen ein kleines Vermögen aufgebaut werden. 
  • Durch diese Vorgehensweise soll der positive Einfluss des Zinseszinseffekts beim langfristigen Vermögensaufbau klar erlebbar gemacht werden.
  • Mindestens 60 Prozent des Kapitals soll in Schweizer Firmen investiert werden. Ausländische Firmen müssen ihren Sitz in Europa, den USA oder Kanada haben. Investiert wird also in CHF, EUR, CAD und USD. 

Erwartungen

Auch bei einer bescheidenen Ausgangslage soll es möglich sein, mit den Jahren ein kleines Vermögen aufzubauen. Selbst wenn wir von einer anfänglichen Dividendenrendite von 3.8% ausgehen und eine bescheidene Zunahme bei Rendite und Aktienkurs von je drei Prozent pro Jahr voranschlagen, wird unser Vermögen schnell wachsen. Dies zeigt sich deutlich in der Tabelle unten in der Spalte Dividenden. Die Dividenden, als Ertrag unserer Investition, wachsen innert 18 Jahren so stark an, dass wir ab diesem Jahr mehr Dividenden ausbezahlt erhalten und reinvestieren können als das Geld, welches wir jährlich neu investieren. Spätestens ab diesem Moment zündet der Turbo beim Investieren: Zinseszins in Aktion.

Die Tabelle unten zeigt übrigens eine hypothetische Investitionsrechnung mit 100 Aktien zu 100 Franken und einer anfänglichen Dividende von 3.80 Franken. Dies sind ungefähr die Parameter unseres echten Depots. Dass sich die einzelnen Aktien ganz unterschiedlich entwickeln werden, und dass diese Entwicklung holprig, mit Sprüngen und Abstürzen verlaufen wird, ist vorauszusehen. Langfristig aber sollte sich das Vermögen in der skizzierten Art entwickeln.

 

Allerdings ist die Annahme, dass Dividenden und Aktienkurse pro Jahr 3% steigen werden, vermutlich zu konservativ. Im Fall von Nestlé stiegen die Dividenden in den letzten 50 Jahren jährlich um durchschnittlich 8.6%, der Aktienkurs um 7.5%. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich dieser starke Trend auch in der Zukunft fortsetzen wird. Selbst wenn wir vorsichtig sind und für unser Portfolio eine Zunahme von je 5% annehmen, sieht das Resultat schon anders aus: Statt der 289’000 Franken wie oben wäre unser Depot knapp 362’000 Franken wert. 73'000 Franken zusätzlich! Schöne Träumerei? Wir werden es sehen – falls ich in zwanzig Jahren noch lebe. Oder falls Du, lieber Leser, auf ähnliche Weise zu investieren beginnst.

Zur Wahl der Firmen

Die drei Firmen, welche ich ausgewählt habe, können als eher langweilige Investitionen empfunden werden – und genau dies ist die Absicht. Immerhin können wir auf Grund der Vergangenheit damit rechnen, dass alle drei Firmen in der Lage sind, Stürme, wie sie immer wieder mal an den Börsen losbrechen, einigermassen unbeschadet zu überstehen. Und das ist, wenn man langfristig investiert, ein wichtiger Aspekt. Wir rechnen ja damit, dass uns diese Firmen mindestens 15 Jahre lang Dividenden bezahlen werden, und zwar: steigende Dividenden.

Von Nestlé wissen wir, dass diese Firma über Jahrzehnte die Dividenden erhöhte, und genau solche Firmen wollen wir im Depot haben. Ähnlich verhält es sich bei Roche. Swiss Re ist etwas komplizierter, denn im Zusammenhang mit der Finanzkrise vor bald zehn Jahren ist die Firma bös ins Schleudern geraten. Zudem liest man immer wieder davon, wie schwierig das Rückversicherungsgeschäft geworden ist. Das hat dazu geführt, dass die Firma an der Börse bescheiden bewertet ist – oder anders rum: Wir erhalten eine ansprechende Dividende. Und insgesamt kann man die Dividendenpolitik von Swiss Re als aktionärsfreundlich bezeichnen.

Noch ein Grund, weshalb ich Aktien dieser drei Firmen gekauft habe: Jede(R) kann das tun. Es sind grosse Firmen, welche im SMI, dem wichtigsten Schweizer Aktienindex vertreten sind, es sind bekannte Firmen, welche nicht mit negativen Schlagzeilen auffallen. Es gibt nichts Anrüchiges dabei, wenn man in diese Firmen investiert.

Die Wahl der Depotbank

Es stellt sich die Frage, weshalb ich das Depot bei der Raiffeisenbank eröffnet habe. Na, erstens bestand dieses Depot bereits, es wurde aber nicht mehr benötigt, weil das ursprüngliche Projekt letztes Jahr beendet worden ist. Zweitens wollte ich nicht nochmals eine neue Bankbeziehung beginnen, da ich bereits mit mehreren verschiedenen Banken unterwegs bin. Irgendwann reicht’s. Drittens bin ich mit den Konditionen einigermassen zufrieden, und viertens gefallen mir die Sicherheit und Möglichkeiten des E-Bankings von Raiffeisen.

Wie gesagt, mit den Kosten bin ich nur einigermassen zufrieden. Ein Trade kostet 40 Franken, was eindeutig auf der teuren Seite liegt. Um Aktien von drei Firmen im Wert von je gut 3300 zu kaufen, musste ich 120 Franken hinblättern. Das ist viel. Andererseits erhalte ich, wenn nötig, guten Service, und kenne meine Ansprechpartner bei der Bank persönlich. Das ist vielleicht etwas altmodisch, aber ich finde das sympathisch.

Gestern schaute ich mir mal die Plattform von cornertrader.ch etwas genauer an. Als ich den absolut unzureichenden Sicherheitsstandard dieser Tradingplattform sah, wurde mit blitzartig klar, wo die Nachteile dieses Angebots liegen: Keine Sicherheit. Das ganze Geld, das dort liegt, ist lediglich durch ein einziges Passwort geschützt – der Zugang zum Depot also etwa gleich geschützt wie ein Facebook-Konto. Dafür kostet ein Trade nicht mal zehn Franken. Tja, ich kenne Leute, die dort ein Depot führen. Mit bescheidenen Beträgen kann man das ja machen, aber die Schmerzgrenze ist wohl bald erreicht.

Also, ein Trade kostet uns 40 Franken. Da wir ja nicht traden, sondern investieren, können wir damit leben. Verkaufen würden wir die Aktien sowieso nur, wenn das Management „unserer“ Firmen nachgewiesenermassen kriminell handeln würde. Im Fall eines „Dieselgates“ wie bei Volkswagen etwa. Oder, wie im Fall von Wells Fargo, wo auf dubiose Weise unzählige Konten eröffnet wurden. Da wir also Aktien kaufen und dann nach Möglichkeit unbegrenzt lange halten werden, fallen die Kosten für das Handeln nicht so stark ins Gewicht.

Der Umgang mit Steuern

Nicht ganz zu Unrecht wird die dividendenorientierte Art des Investierens gelegentlich dahingehend kritisiert, dass sie nicht steuereffizient ist. Dividenden müssen in der Schweiz ja wie jedes andere Einkommen versteuert werden. Kapitalgewinne hingegen sind steuerfrei.

Die Dividenden werden in der Schweiz zudem nicht voll ausbezahlt, sondern nur zu 65 Prozent. Der Rest wird als Steuer vorerst zurückbehalten, welche man dann via Steuererklärung wieder zurückfordern kann.

Ich werde das so handhaben, dass zuerst nur mit den tatsächlich eingebuchten Dividenden fortgefahren wird. Ende Jahr wird in jedem Jahr, in welchem ich Dividenden erhalten habe, 20% der in diesem Jahr erhaltenen Dividenden zusätzlich einbezahlt. Somit berücksichtig die Entwicklung des Portfolios die Steuern in etwa so, wie sie der Realität entsprechen könnte: Das Einkommen wird zu 15% versteuert. Je nach persönlicher Situation kann dies aber abweichen.

Ausblick

Zum Start also beteiligen wir uns an drei Schweizer Firmen, welche in drei verschiedenen Branchen tätig sind: Nestlé – Nahrungsmittel, Roche – Pharma, und Swiss Re – Versicherungen. Damit haben wir unseren Part geleistet: Wir haben uns an zwei der zwanzig Firmen mit der grössten Marktkapitalisierung weltweit beteiligt, und an einer Firma, welche zu den etwa 300 teuersten Firmen der Welt gehört – mit, zugegeben, eher lächerlichen Beträgen. Aber das ist ja nur ein Anfang! Aber auf diese Firmen können wir uns wohl verlassen. Nicht nur dieses Jahr, sondern auch in absehbarer Zukunft.

Wir können keine fulminante Entwicklung der Aktienkurse erwarten, dafür sind alle drei Firmen zu gross. Was ich erwarte, andererseits, sind jährlich leicht steigende Dividenden. Darauf freue ich mich.

Die erhaltenen Dividenden werden alle reinvestiert werden. Und monatlich sollen 600 Franken einbezahlt werden, so dass von nun an alle sechs Monate weitere Aktien gekauft werden können. Ich warte sechs statt nur fünf Monate wie beim Modellportfolio, damit die Handelskosten etwas weniger ins Gewicht fallen. Später vielleicht, wenn in zwei, drei Jahren die Dividenden kräftiger sprudeln, oder falls die Konditionen fürs Handeln besser werden sollten, kann man kürzere Intervalle in Betracht ziehen, was ich sehr begrüssen würde.

In einem halben Jahr, März 2017 steht die nächste Investition an. Ich bin gespannt, welches Unternehmen dann dazukommt.

Hast Du, lieber Leser, einen guten Vorschlag? Mit einer Begründung, weshalb wir Aktien der vorgeschlagenen Firma kaufen und 15 Jahre oder länger halten sollten? Die neue Firma soll das Portfolio weiter diversifizieren, muss als aus einer Branche kommen, welche noch nicht vertreten ist. Vorerst würde ich auch gerne in eine weitere Schweizer Firma investieren. Und, wie gesagt, es muss eine einigermassen grosse Firma sein, und von denen gibt es in der Schweiz nun mal nicht so viele. mail@clever-investiert.info.

Update Mai 2017

Ich habe im April, nach dem Dividendenabgang, 9 Aktien von Geberit gekauft, zum Preis von 431.70 pro Aktie. Aktuell stehen alle vier Aktien im Plus, und das Portfolio weist einen Kursgewinn von 946 Franken auf, was 6.8% entspricht. Bisher sind 260 Franken an Dividenden gutgeschrieben worden.

Das Portfolio steht noch am Anfang, drum kann ich noch nicht viel dazu sagen.