David Fish, Justin Law und ihre Liste der Dividenden-Champions

09.07.2019

(Diese ist die aktuelle Überarbeitung eines Artikels vom September 2014)

 

Die „Homepage“ www.dripinvesting.org  kommt optisch daher wie ein Relikt aus der Zeit vor der Dotcom-Blase, als das Internet noch jung war. Drum schnell weitergeklickt auf die Seite, welche uns interessiert: Info/Tools/Forms.

David Fish war ein US-amerikanischer Fondsmanager und Spezialist für Aktien, welche langjährig Dividenden ausschütten. Und, vor allem für individuelle Investoren wichtig, er pflegte eine umfangreiche Excel-Arbeitsmappe mit vielen Informationen über die Dividenden-Champions auf dem amerikanischen Aktienmarkt. Seit seinem Tod im Frühjahr 2018 wird die Arbeit von Justin Law weitergeführt.

Die Excel-Arbeitsmappe enthält Listen über drei Arten von Firmen:  

  • Challengers (Herausforderer): Firmen, welche die Dividenden die letzten 5 bis 9 Jahre jährlich erhöht haben. Aktuell 517 Aktien
  • Contenders (Rivalen): Firmen, welche die letzten 10 bis 24 Jahre jährlich die Dividenden erhöht haben. Aktuell 233 Firmen
  • Champions: Jene Firmen, welche in den letzten 25 Jahren jährlich die Dividenden erhöht haben. Das sind aktuell 136Firmen.

Die jeweils aktuelle Version der Datei können Sie hier herunterladen: https://www.dripinvesting.org/tools/tools.asp

Halten wir uns das mal vor Augen, was das bedeutet, wenn eine Firma 25 oder mehr Jahre hintereinander die Dividenden erhöht. Was kann man über eine solche Firma sagen? Einige Punkte: 

  • Die Firma schafft es, über einen langen Zeitraum zu wachsen
  • Die Firma arbeitet über einen langen Zeitraum profitabel
  • Das Management bekennt sich zu einer aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik.
  • Die Firma hat lange Erfahrung im Umgang mit der Konkurrenz, mit Krisen, Kriegen, Depressionen, Rezessionen
  • Die Firma hat es erfolgreich geschafft, sich an veränderte Umfelder anzupassen und innovativ oder mindestens attraktiv zu bleiben.
  • Das Management einer solchen Firma wird alles unternehmen, um zu verhindern, dass die Serie von Dividendenerhöhungen abbricht – es braucht Jahrzehnte harter Arbeit, um diesen Status wieder aufzubauen.

Wenn wir uns einige Namen jener Firmen mit der längsten Geschichte von stetig steigenden Dividenden anschauen, treffen wir viele Bekannte an: 

Firma
Symbol
Jahre mit Dividenden- Erhöhung
Industrie
Aktuelle Rendite
Procter & Gamble
PG
65
Haushaltsprodukte
2.72%
3M
MMM
61
Konglomerat
3.32%
Coca-Cola
KO
57
Nicht-alkoholische Getränke
3.13%
Johnson & Johnson
JNJ
57
Pharma/Haushaltsprod.
2.73%
Colgate-Palmolive
CL
56
Kosmetik
2.40
Stanley Black & Decker
SWK
52
Werkzeuge/Sicherheit
1.83
VF Corporation
VFC
46
Bekleidung
2.34
AT&T
T
35
Telekom
6.09

 

Die Aufstellung zeigt, dass es Firmen aus verschiedensten Branchen in diesen Kreis der langfristig Erfolgreichen geschafft haben. Unter den weiteren, zum Teil kaum bekannten Namen findet man auch Versicherungen (Aflac, 31 Jahre), Banken (Commerce Bancshares, 46! Jahre), REITs (FRT, 47 Jahre), Restaurantketten (McDonald’s, 38 Jahre) und Firmen aus allen möglichen Branchen. 

Gedanken zum Buch: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs von Gerd Kommer

04.07.2019

Von Zeit zu Zeit stolpert man über ein wirklich gutes Buch. In diesem Frühjahr bin ich auf so eines gestossen: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs.

Der Titel fasst ziemlich genau zusammen, was ich als Anleger NICHT mache: In Indexfonds und ETFs investieren. Und das mit dem „souverän“ stimmt bei mir ja wohl auch nicht… Vielleicht gerade weil ich den Titel als eine kleine Provokation empfand, wurde irgendwann meine Neugier geweckt. Ich las zuerst die Leseprobe, welche mir Kindle anbot, merkte aber schnell, dass hier Handfestes daherkommt und kaufte mir den Titel.

Aus dem Klappentext: Gerd Kommer überzeugt immer mehr Sparer von den Vorteilen einer Geldanlage in Indexfonds und ETFs. Deshalb hat er sein Standardwerk vollständig aktualisiert und um eine Website zum Buch erweitert. Leser erhalten also nicht nur den allerneuesten Stand zu den besten Anlagemöglichkeiten, sondern auch exklusiven Zugriff auf ein Tool, das ihnen dabei hilft, die Empfehlungen auch umzusetzen. Einfacher geht passives Investieren nun wirklich nicht!

Dr. Gerd Kommer, LL.M., leitet ein Finanzberatungsunternehmen für Privatanleger in München. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, Steuerrecht, Politikwissenschaft und Germanistik in Deutschland, in den USA und in Liechtenstein. Kommer verbrachte 17 Jahre im europäischen und außereuropäischen Ausland. Dies ist die fünfte, vollständig überarbeitete Neuauflage von Souverän Investieren. Die erste Auflage erschien 2002. Im Jahr 2016 gewann das Buch den Deutschen Finanzbuchpreis.

Ich mag dem Autor den Finanzbuchpreis gerne gönnen, er hat ihn meiner Meinung nach absolut verdient. Aus dem deutschen Sprachraum ist es das Beste, was ich zum Thema Investieren kenne – auch wenn ich als aktiver Anleger mit dem Autor in einigen Punkten ganz und gar nicht einverstanden bin.

Das Buch ist meist einfach zu lesen, über manche Strecken etwas gar trocken, an anderen Orten spannend und gespickt mit Informationen. Nicht alle 416 Seiten müssen unbedingt gelesen werden – gegen Ende des Buches habe ich das Interesse an den Ausführungen völlig verloren und nur noch flüchtig gelesen. Vor allem die Diskussion um Factor-Investing… Na ja, ich konnte der nichts abgewinnen. Sie scheint mir dem Grundgedanken des Buches völlig zu widersprechen.

Aber die ersten etwa 75% des Buches sind spitze. Es legt einleuchtend die vielen Vorteile des passiven Investierens mit Indexfonds und ETFs gegenüber aktivem Stockpicking dar – auch wenn es am Ende der Autor nicht geschafft hat, dass ich meine bisher durchaus erfolgreiche aktive Anlagestrategie wesentlich geändert habe.

Lustlos investieren

14.07.2017

Ich weiss nicht, seit Monaten habe ich nicht recht Lust, in Aktien zu investieren. Gewiss, ich kaufe für unser privates Depot diese und jene Aktie, vergrössere einige Positionen, vor allem mit Geld, welches von Dividenden herrührt. Neues Kapital kann ich zurzeit nur wiederwillig investieren.

Auch deshalb bin ich zwischendurch mit dem Nachführen der Musterdepots arg im Verzug. Und dann haben mich andere Projekte in den letzten sechs Monaten derart in Beschlag genommen, so dass mir kaum Zeit blieb, mir gross Gedanken zu Neuinvestitionen zu machen.

Immerhin habe ich im Real-Depot noch 9 Aktien von Geberit gekauft – aber dass mir beim Kauf ein grober Fehler unterlaufen ist, zeigt deutlich, dass ich nicht ganz bei der Sache bin. Da habe ich doch tatsächlich zuerst den falschen Valor gekauft: Das ist mir glaub ich in bald 20 Jahren Online-Banking noch nie passiert… Der Fehler hat mich etwa 100 Franken gekostet – ich habe den ungewollten Titel gleich wieder verkauft (2 mal 40 Franken für die Katz). Bis das gutgeschriebene Geld wieder verfügbar war, stieg der Kurs des Geberit-Aktie, so dass ich statt der ursprünglich beabsichtigten zehn Stück nur noch neun kaufen konnte. Ziemlich «bireweich». 

So, meinen Fehler habe ich nun gebeichtet, mag jedeR denken, was erSie will. Aber der Fehler ist nicht der Grund weshalb ich zurzeit lustlos investiere. Es ist vielmehr Ergebnis dieser Lustlosigkeit. Die Gründe der Unlust liegen woanders. 

In der Politik. Genauer, in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, und dem katastrophalen Ergebnis der Wahlen. Der neue Präsident steht in meinen Augen für alles, was ich in meinem Leben gering schätze. Der Mann ist oberflächlich, ungebildet, vulgär, verlogen, rassistisch, eine Windfahne, unfähig, ein brauchbarer Präsident zu sein. So viel Macht konzentriert in den Händen eines solchen Menschen, das ist brandgefährlich. Und wie reagieren die Aktienmärkte? Neue Höchststände. Na bitte! 

Höchststände an den Märkten sind schön für Leute, welche Aktien verkaufen wollen. Tatsächlich habe ich etwa zehn Prozent aller unserer Aktien verkauft, um das Geld in ein neues Projekt völlig ausserhalb der Finanzmärkte zu stecken. Höchststände bei den Aktienkursen sind aber ein Problem für alle, welche ihr sauer verdientes Geld sinnvoll investieren wollen oder müssen. 

Natürlich sind auch in einem hoch bewerteten oder gar überbewerteten Aktienmarkt immer günstig bewertete Aktien zu finden. Wer auf Kurs-Gewinn-Verhältnis, Wachstumsaussichten und Dividendenrendite schaut, findet auch jetzt Aktien im In- und Ausland, welche einen Kauf wert sind. Das heisst aber nicht, dass diese Aktien nicht auch noch viel billiger werden könnten, wenn der Aktienmarkt einmal zu korrigieren beginnt. Und daher rührt meine Unlust: Weshalb soll ich heute eine Aktie kaufen, wenn ich erwarte, dass ich in naher Zukunft dieselbe Aktie weit günstiger erstehen kann? 

Ich weiss, diese Frage darf ich mir im Grunde genommen nicht stellen. Wenn ich derart denke, kann ich nicht mehr investieren. Wenn ich eine gute Gelegenheit sehe, muss ich doch investieren. Geld liegenzulassen bedeutet doch auch, dass ich verliere, weil das Geld nicht so arbeiten kann, wie es eben arbeiten müsste. Und trotzdem bleibt die Unlust…

Und worauf hatte ich mich denn konzentriert in den letzten Monaten? Nur so viel sei einmal verraten: www.odyssia15.gr/olivenöl  

Wenn man denn schon in Banken investieren will...

19.09.2016

Vermutlich bin ich völlig naiv. Ich denke, die Leute, die in Banken arbeiten, müssen wissen, wie man mit Geld umgeht. Schliesslich ist der Umgang mit Geld das Kerngeschäft einer Bank, und Bankangestellte haben den lieben langen Arbeitsalltag nichts anders zu tun, als sich mit Geld abzugeben. Mit dem Geld anderer, dann noch.

Wenn man seinen Beruf als Bankier ja richtig ausführt, lernt man doch, wie man selbst reich wird, und wie man eine Firma finanziell erfolgreich führen kann. Da stelle ich mir naiverweise vor, dass eine Bank doch eine gewinnbringende Angelegenheit sein sollte – aus was für einem Grund sollte man denn sonst eine Bank betreiben? Eine Bank ist ja keine Non-Profit-Organisation, sondern knallhartes Business. Und da viele Banken Aktiengesellschaften sind, müsste ich mich als Aktionär doch an diesen lukrativen Firmen beteiligen können, damit ich via Dividenden und Kursgewinnen an den Gewinnen dieser Banken beteiligt bin.

Wenn ich mir die Geschäftszahlen der Schweizer Grossbanken und ihre Aktienkurse anschaue, dann sehe ich zwar, dass die Banken gelegentlich schöne Gewinne einfahren, aber gelegentlich ebenso gewaltige Verluste verzeichnen. Kein ausgewogenes Bild beim Betriebsergebnis, und damit keine erfreuliche Entwicklung bei den Aktienkursen. Von den Dividenden(renditen) ganz zu schweigen. Irgendetwas stimmt da nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, dies im Detail aufzuzählen, doch in den letzten zehn Jahren ist wohl dem hintersten Hinterbänkler klar geworden, gegen wie viele Probleme «unsere» Schweizer Banken zu kämpfen haben. Da reicht es, wenn ich mir die Aktienkurse der letzten Jahre anschaue, um zu wissen, dass ich da auf keinen Fall mit involviert sein will.

 

In einem Zeitraum von 26 Jahren (!) haben sich die Kurse aller drei Schweizer Grossbanken derart schlecht entwickelt, dass die aktuellen Kurse immer noch unter den Kursen von damals liegen. Bei zwei von drei Banken 50% darunter! Solche Verluste können in keinem Portfolio wieder gutgemacht werden. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum hat der SMI, in dem alle diese drei Katastrophenfirmen mit vertreten sind, um über 350% zugelegt. Da ist ganz grundsätzlich etwas schiefgelaufen. Natürlich haben wir alle die eine oder andere einleuchtende Erklärung, aber Schweizer Bankaktien waren im letzten Vierteljahrhundert gewiss keine gute Investition. Und leider wüsste ich zurzeit beim besten Willen nicht, weshalb sich das bald ändern sollte.

Es geht abwärts - was tun?

06.02.2016

Das Jahr hat für alle, die mit Aktien zu tun haben, miserabel angefangen. Alle Indizes liegen im Minus, der SMI hat allein seit Jahresanfang 10 Prozent verloren, und er liegt bereits mehr als 15 Prozent unter dem Höchststand des letzten Jahres. Damit steht der Index fast genau wieder dort, wo er vor zehn Jahren, 2006, gestanden hat. Mist!

 

Und die nähere Zukunft schaut alles andere als toll aus: China sorgt für genug Aufregung an den Märkten, wir haben einen Ölpreis, der fast täglich munter weiter kollabiert und für Ratlosigkeit sorgt, die Lage im Mittleren Osten ist instabil wie schon Jahre nicht mehr, und den grossen Firmen scheint es kaum mehr zu gelingen, ihre Gewinn zu steigern. Und nach wie vor tricksen die Notenbanken von immer mehr Ländern in immer grösserem Stil mit ihrer Währungen, manipulieren die Geldmenge, die Zinsen, die Kurse. Wie soll es da an den Aktienmärkten aufwärts gehen?

Ich habe keine Ahnung, ebenso wenig wie alle anderen Marktbeobachter und -Teilnehmer. Es ist gut möglich, dass die Märkte noch weiter fallen – viele erwarten es geradezu. Andere sprechen von einer vorübergehenden Korrektur und erwarten für dieses Jahr keine besonders schlimmen Abstürze. Wer hat Recht? In einem Jahr wissen wir es.

Was tun? 

  • Einen kühlen Kopf bewahren. 
  • Wer einen Plan dafür hat, wie er Geld in Aktien investieren will, muss strikt bei seinem Plan bleiben. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien gekauft werden, so sollten jetzt gemäss den vorher definierten Kriterien Aktien gekauft werden. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien verkauft werden, dann, hmm, ist das vielleicht ein schlechter Plan, aber es ist besser, dem Plan zu folgen und die Aktien zu verkaufen, notfalls mit Verlust. 
  • Wer keinen Plan dafür hat, wie er sein Geld in Aktien investiert, befindet sich nun in einer üblen Lage. Da er sich nie mit kühlem Kopf überlegt hat, was er in einer Situation, wie wir sie jetzt haben, tun soll, ist guter Rat teuer. Vielleicht wäre es an der Zeit, abzuspringen, das heisst, alles zu verkaufen und später wieder einzusteigen. Aber zuerst sollte sich so ein Investor, oder besser, so ein Spekulant, sich erst mal einen Plan zurecht zu legen, der nicht nur schönwettertauglich ist, bevor er wieder einzusteigt.

Planen für die nächsten Monate. 

Als dividendenorientierter Investor bin ich an den Kursen „meiner“ Aktien zwar interessiert, aber mehr noch an den Dividenden, welche ich erhalte. 

In den letzten Wochen haben bereits mehrere Firmen aus meinem Portfolio die Dividende erhöht. Dies ist das Signal, welches mir wichtig ist. Der Kurs der Aktien mag fallen, aber mein Einkommensstrom ist am Wachsen. 

Wenn ich diese Dividenden reinvestiere, ist es für mich sogar von grossem Vorteil, wenn die Kurse nicht steigen, sondern gar fallen. Für das gleiche Geld kann ich mir mehr Aktien kaufen. Nehmen wir Omega Healthcare Investors (OHI) als Beispiel.

Ich besitze 2000 Aktien von OHI. Das gibt bei einer Dividende von 56 Cents (pro Quartal) eine Dividende von 1120 USD. Nun wurde die Dividende um einen Cent auf 57 Cents erhöht, sodass ich nun 1140 USD erhalten werde. 

Bei einem Kurs von  (heute) USD 31.65 kann ich mir nun 36 Aktien kaufen. Fällt der Kurs auf 30, sind es 38 neue Aktien, steigt der Kurs auf 33.00, so sind es nur noch 34 neue Aktien, die ich mir aus den Dividenden kaufen kann. Ich bin also nicht wirklich daran interessiert, dass der Kurs steigt. Denn mit den Jahren kann es für mein Einkommen aus Dividenden ganz interessant werden, wenn der Kurs einer Aktie NICHT steigt, sondern fällt. 

Das ist völlig gegen jede Intuition – aber man kann es leicht nachrechnen. Schauen wir uns das Beispiel mit OHI über fünf Jahre an. 

Erste Annahme: Der Kurs bleibt über die ganzen fünf Jahre gleich, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht. (Das ist weniger als der tatsächliche Wert der Erhöhungen der letzten Jahre.)

Im fünften Jahr erhalte ich eine Dividendenzahlung, welche um 75% grösser ist als anfänglich. Und das nur, weil ich alle erhaltenen Dividenden wieder investiert habe. Aus meinen 2000 Aktien sind 2720 Aktien geworden. Nicht schlecht.

Zweite Annahme: Der Kurs fällt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

 

Mein Einkommen aus Dividenden beträgt nach fünf Jahren mehr als bei der ersten Annahme, weil ich wegen des tieferen Aktienkurses mehr Aktien kaufen konnte. Tatsächlich ist aber auch der Wert meiner Anlage gestiegen, indem ich die Dividenden reinvestiert habe. Ich habe nun 2837 Aktien, welche knapp 78‘000 USD wert sind, gegenüber den anfangs 2000 Aktien im Wert von 63‘300 USD. Und das trotz fallender Kurse während der ganzen Zeit.

Dritte Annahme: Der Kurs steigt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

Leider vermindern die steigenden Kurse mein Einkommen aus den Dividenden. Ich habe zwar bei der optimistischen Variante ein viel höheres Vermögen, aber das Einkommen ist deutlich tiefer als mit den beiden anderen, pessimistischeren Annahmen. 

Spätestens jetzt ist klar, dass es nicht zu meinem Plan gehören kann, dass die Aktienkurse möglichst stark steigen. Mittelfristig werde ich besser fahren, wenn die Kurse nicht nur steigen, sondern zwischendurch auch mal kräftig fallen. 

Gerade im Hinblick auf die laufende Jahresberichterstattung und die Dividendenzahlungen im Frühjahr kann ich als dividendenorientierter Anleger davon profitieren, wenn die Kurse an den Börsen noch weiter nachgeben. 

Damit dies funktioniert, bin ich natürlich darauf angewiesen, dass die Firmen auch in schwierigeren Zeiten ihre Dividenden weiter verlässlich bezahlen. Während es dafür natürlich keine Garantie gibt, sind die Dividenden grosser Firmen nicht so krassen Bewegungen unterworfen wie die Aktienkurse. Hat eine Firma einmal damit begonnen, eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik zu betreiben, wird sie sich davor hüten, ohne Zwang von dieser Politik wieder abzurücken – sie würde blitzartig vom Markt abgestraft. Es gibt also so etwas wie ein Gewohnheitsrecht: Als Aktionär kann ich erwarten, dass die Dividenden in schlechten Jahren konstant bleiben und in guten Jahren erhöht werden. 

Da ich vor allem an einem wachsenden Einkommen aus Dividenden interessiert bin, kann ich mit der laufenden Korrektur ganz gut leben. Die Dividenden werden mit dem erwirtschafteten Gewinn bezahlt, und der ist in den wenigsten Fällen abhängig vom Aktienkurs. Der Gewinn wurde im letzten Jahr erwirtschaftet und wird nicht kleiner, wenn der Aktienkurs in diesem Jahr fällt. Die Höhe der gesprochenen Dividende wird auch vom Ausblick der Firmenverantwortlichen auf die Zukunft beeinflusst, und da werden wir wohl Dividendenerhöhungen am untersten Ende der Skala zu erwarten haben. So geschehen zum Beispiel bei Roche: von 8 Franken auf 8.10 ist nicht berauschend. 

Auch wenn es für dieses Jahr bei den bereits angekündigten Dividendenerhöhungen bleiben sollte, unterbricht dies die Zunahme des Einkommens aus Dividenden nicht: Mit den erhaltenen Dividenden werden, unabhängig vom aktuellen Aktienkurs, weitere Aktien gekauft, und spätestens in einem Jahr werfen diese neuen Aktien ihrerseits wieder Dividenden ab. Und diese werden wieder investiert, und so steigt das Einkommen Jahr für Jahr. 

Als weitere Massnahme habe ich in den vergangenen Wochen einige wenige Short-Mini-Futures auf den SMI und auf den S&P500-Index gekauft. Ich habe vor, da noch etwas aufzustocken, um meinen Barbestand zu erhöhen, falls die Kurse noch weiter sinken. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz meiner Strategie.

Und irgendwann geht diese Korrektur vorbei, und die nächste Börsenparty beginnt und die Kurse steigen wieder. Aber wann das ist, weiss ich nicht. Es kann in diesem Jahr sein, oder im nächsten, oder erst in einigen Jahren. Aber Dividenden werden weiter bezahlt werden, solange Firmen Gewinne schreiben. 

Warum es in diesem Blog plötzlich so ruhig ist

27.11.2015

Das ist schnell erklärt: Seit Monaten bin ich zusammen mit meiner Frau in Griechenland. (Mehr dazu auf www.odyssia15.gr) Sozusagen aus der Ferne bekomme ich zwar mit, was an den Aktienmärkten los ist, worüber „man“ sich an der Börse Sorgen macht (Alle Themen wie China, Griechenland, Terrorismus, Ölpreis, starker Franken oder starker Dollar, je nach Standort des Autors, schwindende Unternehmensgewinne, VW- und FIFA-Skandale, alles ist vertreten). Aber oft erfahre ich erst nach einer schönen Wanderung von den neuesten Problemen, oder verpasste einen miesen Börsentag mit Sünnele am Strand und Schwimmen im klaren Wasser… Kein wirkliches Problem, finde ich. Ich beobachte oft, wie es um die Dividenden „meiner“ Firmen steht. Da heisst es nichts als: smooth sailing. Gerade jetzt, wo wir kein Einkommen aus aktiver Arbeit, wegen der Reise aber erhöhte Ausgaben haben, soll da nichts aus dem Ruder laufen.

Wer dividendenorientiert investiert, braucht sich wegen des Auf und Ab an den Märkten keine grauen Haare wachsen lassen. Fallen die Aktienkurse, können dividendenstarke Aktien zu einem günstigeren Preis gekauft werden. Ich habe in den letzten Monaten bei vier bestehenden Positionen unseres eigenen Depots weiter zugekauft (Zurich Insurance Group, Swisscom, BB Biotech, Omega Healthcare Investors), habe eine kleine Anzahl Aktien der Firma Textainer Group Holding gekauft, als die Dividendenrendite bei über 10% lag, (Das war, bevor die Firma ankündigte, die Dividende zu halbieren - auch das kommt vor!) Vor allem aber freute ich mich über diverse Dividendenerhöhungen, welche von amerikanischen Firmen in unserem Depot angekündigt wurden. Dies ist quasi geschenktes Geld, da damit das Bächlein der ständig hereinfliessenden Dividenden an Stärke zunimmt – ohne dass ich mir viel Gedanken darüber machen muss.

Dank solcher Zukäufe und den angekündigten Dividendenerhöhungen hat sich der voraussichtliche Betrag, den wir an Dividenden in Zukunft erwarten können, in der ersten zehn Monaten dieses Jahres um sieben Prozent erhöht. Das ist beachtlich! Trotz aller Stürme an den Märkten und aller schlechter Nachrichten nehmen die Dividenden zu.

Aus diesem Grund ist es hier so ruhig. Weil ich eine andere Investitions-Strategie verfolge als kurzfristig orientierte Trader. Das Muster-Portfolio 1 zeigt, dass man mit einem Aktiendepot, welches auf stabile Dividenden hin angelegt wird, auch in stürmischen Zeiten gut fährt.